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Stadt Zwittau

Im Böhmisch-Mährischen Grenzgebiet, ungefähr in 430 Meter Seehöhe liegt die Stadt Zwittau. Sie wurde nach dem Fluss Zwittawa benannt, der schon dem ersten böhmischen Chronisten Cosmas bekannt wurde.


Dank der Kolonisierung des Prämonstratenser Klosters in Leitomischl entstand hier in Flussnähe eine kleine Gemeinde „Alt-Zwittau“ mit der romanischen St.-Ägidius-Kirche. Durch die zweite Kolonisierung, deren Träger überwiegend deutschsprachige Siedler waren, entstand in der Hälfte des 13. Jahrhunderts „Neu-Zwittau“. Die Kolonisierung erfolgte insbesondere in der Zeit, in der das Bischofsamt in Olmütz Bruno von Schauenburg (1245 - 1281) ausgeübt hat. Bruno beauftragte seine nahen Mitarbeiter, den westfälischen Adeligen Helembert von Thurm, die Stadt Zwittau zu gründen. Die Interessen des Olmützer Bistums und des Prämonstratenser Klosters in Leitomischl wurden in einen Streit verschärft, der am 6. November 1256 durch einen Schiedsvertrag entschieden wurde. Diese den Streit lösende Urkunde wird für die „Gründungsurkunde der Stadt Zwittau“ gehalten. Zwittau war eine Stadt, die den Bischöfen in Olmütz unterstellt war. Das Städtchen (in Urkunden manchmal Oppidium genannt) gewann 1330 ein wichtiges Privilegium, aufgrund dessen das Gerichtshaus in Zwittau, zu dem die Gemeinden Vierzighuben und Mährisch Lotschnau gehörten, bestätigt wurde. Der Herrschaft Zwittau fielen später (1513) folgende Dörfer zu: Greifendorf, Stangendorf, Glaseldorf, Mohren, Rausenstein, Ober Heinzendorf, Hermersdorf und Chrostau Öhlhütten. Die Herrschaft Zwittau wurde oft verliehen, verkauft und gepfändet. 1484 kaufte der Olmützer Bistumsverwalter Jan Filipec die Stadt Zwittau von Ješek Svojanovský von Boskovitz. Zwittau wurde wieder zu einer Stadt der Olmützer Bischöfe, und zwar als ein Bestandteil der Herrschaft Mürau. Das ganze 16. Jahrhundert kann man als „goldene Zeiten der Stadt“ bezeichnen. Handwerke blühten, das Zunftsystem entwickelte sich und die Stadt gewann wichtige Marktprivilegien. Dass die Macht des Bürgerstandes immer stärker wurde, zeigt das Privilegium von 1606, in dem der Stadt bewilligt wurde, mit rotem Wachs zu siegeln. Der Dreißigjährige Krieg hemmte zeitweilig die Stadtentwicklung, aber Zwittau erholte sich von Heerzügen relativ schnell. Man baute die Kirchen um, brach die Stadtmauern ab und legte den Grundstein für Schulwesen. Im 18. Jahrhundert wurden wichtige Verkehrswege errichtet, auf denen die Heere der Maria Theresia und ihres preußischern Gegners, Königs Friedrich II., ebenso wie die Postkutscher reisen konnten. 1781 bedeutete ein Brand eine Tragödie für die Blüte der Stadt. Die ganze Stadt wurde eingeäschert, und weil auch die Garnvorräte verbrannten, wurden ganze Generationen von Webern zu Bettlern gemacht. Trotzdem, oder besser gesagt, gerade deswegen wurden zu dieser Zeit die Grundsteine der Berühmtheit von Weberei und Textilindustrie in Zwittau allgemein gelegt. Dies hat der Stadt einen schmeichelhaften Beinamen „Westmährisches Manchester“ gebracht. Nach den dramatischen napoleonischen Kriegszeiten kamen die ersten Fabrikunternehmer in die Stadt. Sie fingen an, zuerst zaghaft, die ersten Fabriken zu bauen und Dampfmaschinen aufzustellen. Sie ahnten vielleicht, dass einmal die Eisenbahn durch die Stadt führen wird. Das Jahr 1848 brachte die Bürgerfreiheit und Zwittau wurde zum Bestandteil des politischen Bezirks Mährisch Trübau. Dadurch wurde die hundertjährige Abhängigkeit vom Bistum in Olmütz und von der erzbischöflichen Obrigkeit beendet. Die österreichischen Verfassungsversuche brachten die Bürger zu den ersten Wahlen und die Unternehmer eröffneten die ersten Textil-Großfabriken. Die Stadt verfügte über ihr eigenes Gaswerk, Sparkasse, Schule, Gericht, und der Stolz der Stadtbürger stieg. In diese Prosperitätszeiten der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg auch der Zwittauer Landsmann und Mäzen Valentin Oswald Ottendorfer ein. Aus seinen Spenden wurden das so bedürftige Krankenhaus, Waisenhaus und letztlich auch der Stadtstolz - die öffentliche Bibliothek mit Lesesaal aufgebaut. In der Stadt, wo fast 10 Tausend Einwohner wohnten, bildeten die Tschechen nur ein kleines Häufchen. Trotzdem lebten die Deutschen, Tschechen und Juden in der Stadt im gegenseitigen Verständnis. Erst Ende des 19. Jahrhunderts gewann die Stadt ein neues Gesicht. Neben den ausgedehnten Fabrikgeländen, direkt in der Stadt oder Vorstadt wuchsen Luxusvillen der Fabrikanten auf, neue Straßen und Wohnviertel wurden errichtet. Die Reihenhäuser für Arbeiter, Kolonien, ergänzten den industriellen Charakter der Stadt. Der historische Stadtplatz wurde in bunte Farben gekleidet und durch Gaslampen und elektrische Lampen aus dem städtischen Kraftwerk belichtet. Politisch gesehen neigten die Einwohner zu Gewerbeparteien mit christlichem Ethos. Übrigens waren die christlichen Vereine und Gewerkschaften zusammen mit Turnvereinen die Führungsorganisationen in der Stadt. Dies alles sollte im Wirbel des Ersten Weltkriegs (1914 - 1918) zugrunde gehen, der den Zerfall der viele Nationalitäten umfassenden Monarchie bedeutete, und eine Zeitperiode startete, in der die Nachfolgestaaten nach Nationalitätsprinzip erklärt wurden. Kein Wunder, dass die Ausrufung der Tschechoslowakei in der deutschen Stadt Zwittau kein Verständnis fand. Noch im November 1918 wurden in den Straßen in Zwittau die Losungen für die Erneuerung vom deutschen Österreich gerufen, aber die Besatzung der Stadt durch die tschechoslowakische Armee im Dezember dieses Jahres bedeutete Schluss mit Proklamationen der Selbstständigkeit für die Sprachinsel Hřebeč. Trotzt anfänglichem Misstrauen nahmen die Deutschen für den Aktivismus der Ersten Republik Partei, übrigens ihre Abgeordneten und Senatoren (F. Jesser, F. Hodina) setzten sich für die Zusammenarbeit mit der Prager Burg ein. Die wirtschaftliche Krise und soziale Spannung in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts verletzten dieses zerbrechliche Gleichgewicht und die Stadt gab ihre Stimme dem Reichskanzler Hitler ab. Auf Hitlers Seite stand auch ein anderer bedeutender Landsmann, und zwar Oskar Schindler, der zu dieser Zeit eher unter dem Beinamen „Schindler-Gauner“ bekannt war. Zwittau wurde nach dem Münchener Abkommen zum Bestanteil des Hitlers Dritten Reiches. Die Tragödie des neuen Kriegs lies nicht sehr lange auf sich warten. Die Stadt wurde plötzlich von „totaleingesetzten“ Arbeitern, Kriegsgefangenen und Flüchtlingen aus dem Osten überflutet. In die Arbeitslager gerieten unter elende Bedingungen mehrere tausend Menschen, und zwar bis zum Mai 1945. Nach der Befreiung der Stadt Zwittau wurde die deutsche Bevölkerung in dieselben Lager getrieben, ihr Vermögen beschlagnahmt und nach Zwittau kamen neue Siedler aus allen Ecken der Tschechoslowakei. Aus der Sicht der Staatsverwaltung wurde der Gerichtsbezirk Zwittau im Rahmen des Kreises Brünn erneuert. Dies dauerte bis 1960, als die Stadt zum Bestandteil des neu errichteten Ostböhmischen Kreises wurde, wodurch Zwittau im geographischen Sinne definitiv eine tschechische Stadt wurde. Nach der Verwaltungsreform Ende des 20. Jahrhunderts gehört die Stadt mit fast 18.000 Einwohnern zur Region Pardubice.

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