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Valentin Oswald Ottendorfer

Der Zwittauer Landsmann Valentin Oswald Ottendorfer (*1826) war nicht auf Rosen gebettet. Er stammte aus einer Tuchmacherfamilie – die Tuchmacherei stand damals auf dem Gipfel ihres Ruhmes – und er war insofern materiell gesichert. Er hatte eine Unzahl Geschwister, elf, aber das Erwachsenenalter erreichten nur sechs von ihnen. Oswald musste ein scharfsinniges Kind gewesen sein, er wurde zum Studium vorbestimmt. Er studierte zuerst am Piaristischen Gymnasium in Leitomischl [o_01], später an der Wiener und Prager Universität. Die Fächer Philosophie und Recht bildeten seine Weltanschauung und er wurde durch die neu entstehende bürgerliche Gesellschaft formiert. Er roch zur Demokratie und allgemeinen Freiheitswerten und gab diese Prinzipien bis zu seinem Lebensende nicht auf. 1848 kämpfte er unter der Fahne der Studentenlegionen [o_02] auf den Barrikaden und verlebte die Revolution auf den Straßen mehrerer deutscher Städten und in Wien. Die österreichische Polizei verfolgte solche „demokratischen Elemente“ unbarmherzig und ein Steckbrief, der gegen den Verbrecher erlassen wurde, veranlasste ihn, in die USA zu emigrieren.
Ohne Verabschiedung von seiner Familie, ohne Ausbildung und Kenntnis der englischen Sprache kommt der junge Mann im New Yorker Hafen an [o_03]. Er begann, als Taglohn- und Hilfsarbeiter und in der Nacht lernte er neue Sprache und schluckte die Atmosphäre des amerikanischen Milieus. Mit Hilfe der Freunde wurde er in kurzer Zeit Schriftsetzer in einem einflussreichen deutschen Tageblatt New Yorker Staats-Zeitung [o_04], das den deutschen Emigranten, der Familie Uhl, gehörte. Ottendorfer kam in der Redaktion beruflich vorwärts, glossierte das politische Leben in Amerika und es schien, dass er in seinem neuen Heim festen Fuß fasste. Zudem war auch das Glück an seiner Seite. Ende der 50er Jahren verliebte sich die Witwe des Zeitungsbesitzers, Anna Uhl in ihn [o_05]. Sie war zwar um ein paar Jahre älter, aber voll Energie, Erfahrungen und Scharm. Ottendorfer adoptierte auch sechs Nachkommen aus Annas Ehe. Zu dieser Zeit wurde Oswald ernst krank, er musste sich in europäischen Badeorten heilen, aber er könnte seine Vaterstadt Zwittau nicht besuchen. Erst die Amnestie öffnete die Grenzen und der österreichisch-ungarische Ausgleich brachte auch neue Anregungen.
Ende der 70er Jahre wurde das Ehepaar Ottendorf zu angesehenen amerikanischen Bürgern. Er, als Mitglied der demokratischen Partei, wurde fast zum Bürgermeister von New York (er lehnte die Kandidatur ab), und sie stand bei der Entstehung vieler Wohltätigkeitsanstalten [o_06] – Waisen-, Siechen- und Krankenhäuser. Sie prägten ein Motto, das auch heute gilt – wer gesunde Hände hat und arbeiten kann, der muss arbeiten! Den anderen ist zu helfen. Sie wussten, worüber sie redeten.
Die Stadt Zwittau kämpfte ab den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts mit Problemen im Gesundheitswesen, in der Volksbildung und im Schulwesen. Es fehlte ein Krankenhaus, die Armen gerieten infolge der Wirtschaftskrise in Grenzsituationen. Aus diesen Gründen nahm die Stadt das Angebot der finanziellen Beteiligung an der Entstehung des neuen Krankenhauses [o_07] sowie Waisenhauses und Siechenhauses [o_08] vom Ottendorfer mit großer Freude an. 1886 wurden beide Anstalten mit Sang und Klang und unter Ottendorfers Beteiligung eröffnet. In der Ottendorfer-Straße stand das Waisenhaus und Siechenhaus und zu Ehren des Mäzens wurde vor dem Gebäude die Bronzebüste des Mäzens angebracht. Die Zwittauer Bürger konnten noch nicht ahnen, dass die Anstalt, die als Musteranstalt für mährische Städte diente, 1892 erlöschen wird. Es dauerte weniger als zwei Jahre, als an der Stelle des Ottendorfers Elternhauses [o_09] eine Bibliothek [o_10] mit Lesesaal [o_11] und Hörsaal [o_12] entstand. Der Mäzen finanzierte den ganzen Bau und beteiligte sich auch am Einkauf des Bibliothekbestands. In den warmen Tagen in August 1892 kam Oswald in Begleitung von seiner Stieftochter nach Zwittau. Zum zweiten und zum letzten Mal! Sein Erbe, das er der Stadt hinterließ, ist bis heute lebendig. Die Bibliothek verborgte in ihren Depots [o_13] mehr als 23 Tausend Buchbänder und wurde dadurch zur größten deutschen öffentlichen Bibliothek in Mähren. Was für Vorlesungen und Konzerte mussten hier veranstaltet werden. Und als 1929 Präsident Masaryk [o_14] die Stadt besuchte, führten ihn die Stadtvertreter eben hierher.
Ottendorfer starb in seiner Wohnung in New York im Dezember 1900. In New York ist er auch begraben, und zwar auf dem Greenwood-Friedhof [o_15]. Nach seinem Tod blieb in Amerika eine Menge von funktionierenden Anstalten und öffentlichen Schulen. Er hatte auch Zwittau gern, er erinnerte sich an seine Mutter – übrigens die Statue der Mutterliebe [o_16] in Zwittau ist ein Beleg dafür. Der Name Ottendorfer ist auch heute in Zwittau oft zu hören.

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